Sanierung im Bestand vor Abriss

Grüne wollen aussagekräftige Bewertung der Bausubstanz der Gebäude Schlehdornweg und Hohegaster Weg

 

Die Grünen lehnen ebenfalls die Planung der NLG, auf dem Gelände fünf Reihenhäuser mit 60 Wohnungen zu erstellen, ab. Zum einen würde es den Charakter eines gewachsenen Quartiers zerstören, des Weiteren würde das damit einhergehende Verkehrsaufkommen die Wohnstraßen auf Dauer überlasten. Aus Sicht der NLG als Investor sei die Planung zwar folgerichtig, durch die verdichtete Bebauung und durch ein Maximum an Wohnraum auch ein Maximum an Profit zu erwirtschaften. Gerade das liefe aber den Interessen des sozialen Wohnungsbaus diametral entgegen und würde den Mangel an Sozialwohnungen besonders im unteren Preissegment noch verschärfen, da gerade die Angebote für Geringverdiener*innen seit 2014 schrumpfen.

Seit Jahren fielen mehr Wohnungen aus der Zweckbindung, als neu gebaut würden. Wenn diese dann in den freien Markt gingen, bedeute das für langjährige Mieter*innen oftmals der Verlust der Wohnung. Seit 2020 gebe es laut Wohnraumversorgungskonzept der Stadt Aurich von 2016 keine Wohnungen mehr, die sich in der Zweckbindung befänden. Deshalb lehnen die Grünen auch alle weiteren Investorenmodelle ab, zumal die prozentuale Festsetzung von max. 30% für den notwendigen Bedarf an Sozialwohnungen zu wenig bringe und andererseits für die Investoren unter den gestiegenen Bauzinsen immer weniger lukrativ werde.

Die seit Jahren dramatische Verknappung von sozialem Wohnraum könne so nicht aufgefangen werden und müsse zwangsläufig dazu führen, bei einem Bedarf von mehr als 1.000 Wohnungen bis 2030 den Bestand zu sanieren, statt ihn verkommen zu lassen.

Für die Grünen gehe daher kein Weg  vorbei an einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft zum Vorhalten und Bau von „echten“ Sozialwohnungen, zumal die Struktur durch die noch als Hülle existierenden Stadtwerke idealerweise  schon vorgegeben sei.

Um zu beginnen, sei die von der Kämmerin Katja Lorenz vorgeschlagene Poolbildung für städtische Wohnungen der richtige Weg. Ein erster Antrag  auf Wohnraumförderung bei der Nbank mit 10jähriger Mietbindung und 2,50 Euro/m²/Monat als Förderung seitens der Stadt Aurich für zwei Wohnungen wurde  gestellt. Dabei dürfe es nicht bleiben.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Wohnungen bei der Anmeldung unvermietet seien. Und hier vermissen die Grünen trotz mehrerer Vorstöße, dass sie bei den zurzeit geschätzten 17 freien  Wohnungen im Schlehdornweg und Hohegaster Weg keine belastbaren Aussagen über die Bausubstanz der Doppelhäuser bekämen. Eine allgemeine mündliche Einschätzung durch das Gebäudemanagement reiche da einfach nicht aus. Nach Ansicht der Grünen müsse es eine differenzierte Bewertung auf Grundlage nachvollziehbarer Indikatoren hinsichtlich der zugrunde gelegten Standards und der daraus folgenden Bewertung der Sanierungsfähigkeit und ihrer geschätzten Kosten geben. Die Häuserzeilen, die zwischen 1928 und 1938 entstanden seien, unterschieden sich schon äußerlich in der Substanz. Die Probleme der  Feuchtigkeit seien hausgemacht, da knapp 50% der Wohnungen seit Jahren unbeheizt und ungelüftet sich selbst überlassen wurden. Ein Konzept, das für Oktober 2019 angekündigt war, hätte nie den Weg in die Beratung gefunden.

Doppelhäuser Hohegaster Weg

Aus Sicht der Grünen sei es eine Diskussion wert, zumindest die Häuser am Hohegaster Weg auf Sanierungsfähigkeit und Kosten zu untersuchen und damit einen Paradigmenwechsel beim Wohnungsbau zu erreichen. Die zugrunde gelegten Sanierungsstandards und das Zeitargument spielten aus Sicht der Grünen dabei eine entscheidende Rolle. Leider gäbe es massenhaft Beispiele, wie lange der Zeitraum zwischen Planung und Realisierung eines Neubaus liege, sehe man sich zum Beispiel die Große Mühlenwallstraße oder den Krähennestergang an. Zeit, die wir angesichts der Wohnungsnot nicht hätten.

Ganz abgesehen davon, dass viele hiesige klein- und mittelständische Bauunternehmen sich mit solchen Sanierungen auskennen würden und zurzeit angesichts der Krise in der Bauwirtschaft Kapazitäten frei haben müssten.

Die freien sanierten Wohnungen könnten dann mit einer Mietbindung von 10 Jahren bei der Nbank angemeldet und in den Pool eingebracht werden, und den Grundstock für die Wohnungsbaugesellschaft bilden.

Nehme man die Zahlen der beiden Doppelhaushälften in Plaggenburg von 33.000 Euro pro Haushälfte zur Grundlage, ließen sich in diesem Quartier bis zu 550.000 Euro erwirtschaften, die als Grundstock für eine kreditfinanzierte Sanierung eingesetzt werden könnten. Auch die Beteiligung der potentiellen Mieter*innen durch sogenannte Muskelhypotheken können sich die Grünen vorstellen.

Die Erneuerung im Bestand ist über weitere Förderprogramme der Nbank und KFW möglich. Leider werde der  Akquise von Fördermitteln zur Bestandserneuerung bislang nicht die notwendige Priorität eingeräumt und man verlasse sich stattdessen auf die NLG.

Die Begründung, dass die Stadt kein Geld habe für die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft lassen die Grünen deshalb nicht gelten. Die Stadt Aurich brauche in die Gesellschaft kein Geld einzubringen, da verschiedene Fördertöpfe vorhanden seien.  Die Gesellschaft arbeite auf eigene Rechnung  und  die Kredite würden sich über Mieteinnahmen langfristig amortisieren. So könne kommunales Vermögen erwirtschaftet werden, statt weiterhin das Tafelsilber der Stadt zu verscherbeln.

Reihenhäuser Schlehdornweg

 

 

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