Erklärung der Fraktion zur letzten Ratssitzung dieser Wahlperiode am 28.10.26. Besonders gefreut hat uns, dass Frank Kubusch es möglich gemacht hat, an der Verabschiedung teilzunehmen.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Wahlkampf ist vorbei, die Karten sind neu gemischt. Unsere Fraktion verabschiedet sich – die
Auricher Kommunalpolitik aber geht weiter.

Im Rückblick auf die vergangenen Jahre bekommt vieles eine andere Wertigkeit. Fünf Jahre lang
haben wir in dieser Konstellation miteinander beraten, gerungen und gestritten – manchmal
leidenschaftlich, manchmal mit wenig Begeisterung, mitunter verständnislos und gelegentlich hart
an der Grenze des guten Geschmacks. Doch bei aller Unterschiedlichkeit hat uns eines verbunden:
Wir alle wollten das Beste für unsere Stadt. Dass wir dabei nicht immer derselben Meinung waren,
gehört dazu. Und natürlich waren es dann meistens die anderen, die sich verlaufen haben – klaro.

Unsere Arbeit stand unter dem Vorzeichen knapper werdender finanzieller Spielräume. Wenn es
wenig zu verteilen gibt, verändern sich die Prioritäten. Trotzdem haben wir gemeinsam einiges auf
den Weg gebracht und dabei Verantwortung für unser Gemeinwesen übernommen: die Abschaffung
der Straßenausbaubeitragssatzung, die Neuordnung der Grundsteuer, der Einsatz für den Erhalt
unseres Krankenhauses oder das Engagement für mehr Schulwegsicherheit.

Im April 2022 haben wir das Miraculum mit Kunstschule und Mitmachmuseum doch noch auf den
Weg gebracht. Wir haben das Parkhaus am Georgswall zugunsten einer hoffentlich späteren
Wohnbebauung gestoppt und endlich eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Nun
muss sie mit Leben gefüllt werden – vor allem durch die tatsächliche Schaffung von sozialem
Wohnraum.

Auch bei der nachhaltigen Mobilität haben wir ein klares Bekenntnis zur Bahnanbindung Aurichs
abgegeben. Was jetzt noch fehlt, ist zeitnah ein neuer ZOB. Sonst könnte die Verkehrswende des
Landkreises im öffentlichen Nahverkehr schnell im Stau stecken bleiben. Im Zusammenhang mit
dem richtungsweisenden Klimaschutzkonzept der Stadt wäre das besonders bedauerlich.

Ein wichtiges Zeichen ist auch im Sandhorster Wald gesetzt worden: Das Mahnmal für die
Zwangsarbeiter aus dem KZ Engerhafe wurde um die verbliebenen Fragmente des Panzergrabens
erweitert und angemessen gestaltet. Dafür hat sich besonders auch unser Bürgermeister eingesetzt.

Wie gegenwärtig dieser Gedenkort ist, hat sich lange angekündigt – und ist nach dieser
Kommunalwahl deutlicher denn je. Der Auricher Stadtrat ist von AfD-Abgeordneten verschont
geblieben. Doch machen wir uns nichts vor: Das könnte nur eine Atempause sein. Im Landkreis ist
die Zahl ihrer Abgeordneten auf zehn gestiegen – eine Verfünffachung.

Der Rechtsruck macht also auch vor unserer Region nicht halt, und das sehen wir mit großer Sorge.
Umso wichtiger ist es, unser Gemeinwesen zu schützen und nicht an den falschen Stellen zu sparen.
Die sogenannten freiwilligen Leistungen sind viel mehr als ein verzichtbarer Luxus: Sie stärken das
soziale Leben, gerade auch in unseren ländlichen Stadtteilen, und tragen dazu bei, unsere
Gemeinschaft zusammenzuhalten.

Zum Abschied möchten wir als bisherige Fraktion Danke sagen – für die gemeinsame Arbeit, die
Debatten und die vielen Begegnungen. Allen, die ihre Arbeit im Rat fortsetzen, wünschen wir eine
glückliche Hand bei ihren Entscheidungen und Beschlüssen.

Denn, wie es so schön heißt: Zum Optimismus gibt es keine Alternative.

 

v.l.n.r. Reinhold Mohr, Frank Kubusch, Gila Altmann

 

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